DIE ZEIT: Populismus – Demokratie gibt es nur ganz – oder gar nicht

[19.01.2019] DIE ZEIT Nr. 1, 27.12.2018 Ein Gastbeitrag von Herfried Münkler

Link https://www.zeit.de/2019/01/populismus-demokratie-krise-gemeinschaft-vielfaeltigkeit-politisches-system

„Je vielfältiger eine Gesellschaft ist, desto widerstandsfähiger ist sie gegen Populisten von rechts wie von links. …

Man sollte indes nicht glauben, die Bedrohung der Demokratie gehe nur von einigen Reichen und Mächtigen aus. Im Gegenteil: In einigen Fällen sind es Teile des Volks selbst, die der Demokratie den Rücken kehren, weil sie mit deren Ergebnissen nicht zufrieden sind und ihnen die Bereitschaft fehlt, die Mühen und Lasten der Aufrechterhaltung einer demokratischen Ordnung auf sich zu nehmen. …

Ferdinand Tönnies, einer der Gründerväter der Soziologie in Deutschland, hat systematisch zwischen Gesellschaft und Gemeinschaft unterschieden. …

Bei Gemeinschaften geht es um die Stärkung des Gemeinschaftsethos; bei Gesellschaften ist das sehr viel schwieriger …
Populisten gleich welcher Couleur behandeln Gesellschaften, als wären sie Gemeinschaften. …

Gesellschaften bedürfen … gleichermaßen der Stabilität wie der Flexibilität. …

Die Voraussetzung dafür ist ebendas, was die Gesellschaft von der Gemeinschaft unterscheidet, nämlich ihre Vielfältigkeit und Differenziertheit, die es ermöglicht, bei Bedrohungen und Gefahren, Risiken und Herausforderungen das jeweils bestgeeignete Reaktionsmodell herauszugreifen. …

Gemeinschaften hingegen sind auf Begrenzungen und Abgrenzungen angewiesen. …
Linke wie rechte Populisten, die starken Gemeinschaftsvorstellungen anhängen, sind deswegen konsequenterweise für ausgeprägte Grenzregime und gehen in Abwehrhaltung, sobald sie mit dem Fremden konfrontiert sind. …“

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