DIE ZEIT: Weizen – Unser bedrohtes Gold

[25.07.2017] DIE ZEIT, Nr. 30, 20.07.2017
Weizen – Unser bedrohtes Gold
Der Weizen ist unser wichtigstes Getreide. Nun ist er in Gefahr – weil Industrie, Züchter und Bauern den Anbau perfektioniert haben.
Von Andreas Sentker

Link  http://www.zeit.de/2017/30/weizen-getreide-anbau-schwarzrost

„… Das eigentliche Weizenwunderland aber war viele Jahre Großbritannien. Britische Landwirte verkündeten ein Vierteljahrhundert lang globale Spitzenernten. Und nun das: Im Juni meldete das britische Agrarministerium, das Land habe in der Saison 2016/17 erstmals mehr Weizen einführen müssen, als es exportieren konnte.

Dramatisch ist vor allem der Zustand des Ackerlandes in Großbritannien: Auf fast 20 Prozent der Flächen kann Weizen nicht mehr ohne Probleme angebaut werden. Grund ist eine andere Graspflanze: der Ackerfuchsschwanz. Er ist im Laufe der Jahre so resistent gegen Herbizide geworden, dass nur noch martialische Maßnahmen gegen ihn wirken. Manche Äcker müssen die Landwirte mehrfach mit dem umstrittenen Totalherbizid Glyphosat behandeln oder ein bis zwei Jahre lang brach liegen lassen, um die Ausbreitung des Ungrases zu stoppen. …

Eine ähnliche Entwicklung ist in Deutschland im Gange. Auch hier vernachlässigen Landwirte die Fruchtfolge. Statt wie früher Raps, Weizen und Gerste im Wechsel anzupflanzen, bauen sie oft nur noch einmal Raps und dann in zwei aufeinanderfolgenden Jahren Weizen an – weil das 20 Euro pro Hektar mehr bringt. Diese Strategie funktionierte bislang auch deshalb, weil die chemische Industrie immer neue Wirkstoffe auf den Markt brachte. …

Einen der größten Siege konnte noch Norman Borlaug erringen. Der Amerikaner – 1970 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet – fand Gene, die den Weizen gegen einen gefährlichen Krankheitserreger resistent machten: den Pilz Puccina graminis, zu Deutsch Schwarzrost. Der Schädling kann zu extremen Ernteausfällen führen. Borlaugs Erfolg sicherte die Ernten, vor allem in China und Indien. Nördliche Regionen sind vom Schwarzrost seltener betroffen, weil die Pilze frostempfindlich sind. Mit dem Klimawandel kann sich das drastisch ändern. Erhöhen sich die Durchschnittstemperaturen, kann der Rost womöglich auch hiesige Winter überdauern. …“

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