Unterstützung der „Arbeitsgemeinschaft Stolpersteine“ des Museumsvereins (AN 17, 19.06.2013)

 

Die Stadtverordnetenversammlung möge beschließen:

1) Die Stadtverordnetenversammlung bittet den Magistrat, die „Arbeitsgemeinschaft Stolpersteine“ bei der Realisierung ihres Vorhabens, weitere Stolpersteine in Griesheim zu verlegen, zu unterstützen – zum Beispiel bei der Beschaffung / Verifizierung von Daten zur Geschichte der Juden in Griesheim, bei der Einwerbung von Sponsorengeldern und bei der praktischen Umsetzung des Vorhabens.

2) Die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Griesheim begrüßt die Aktivitäten der „Arbeitsgemeinschaft Stolpersteine“ des Museumsvereins, über deren erstes Treffen am 28.05.2013 im Griesheimer Anzeiger berichtet wurde.

3) Die Einbindung der bereits bestehenden Arbeitsgemeinschaft „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ der Gerhart-Hauptmann-Schule (GHS) in diese Aktivitäten sieht die Stadtverordnetenversammlung besonders positiv.

Begründung in der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung am 27.06.2013 durch Jens Otterbach-Noä:

Sehr geehrter Herr Stadtverordnetenvorsteher, sehr geehrte Damen und Herren,

am 04. Mai 2010 wurden im Gedenken an Ludwig und  Otto Löb vor deren damaligem Wohn- und Geschäftshaus, dem heutigen Griesheimer Heimatmuseum, zwei Stolpersteine verlegt. Im Rahmen einer bewegenden Zeremonie mit Reden des damaligen Bürgermeisters Norbert Leber sowie des Kölner Künstlers Gunter Demnig, dem Initiator des Projekts „Stolpersteine“, gedachten zahlreiche Menschen der Verwüstungen des Geschäftes der Familie Löb während der Novemberpogrome sowie der Schikanierung und Bedrohung der Familie. Ludwig Löb nahm sich, unter massivem Druck der Nationalsozialisten stehend, 1938 das Leben. Auch sein Sohn Otto wurde von den Nazis bedroht und zur Flucht in die USA gezwungen, wo er 1947 im Alter von 41 Jahren verstarb. 

In den 1990er Jahren entwickelte Gunter Demnig das Projekt „Stolpersteine“, mit denen er in Form von in das Pflaster von Gehwegen verlegten Gedenktafeln an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert. Stolpersteine erinnern aber nicht nur an das individuelle Schicksal der Menschen, die von den Nationalsozialisten gedemütigt, entrechtet, vertrieben, ihrer Würde beraubt, ermordet wurden. Geradezu zwangsläufig leisten Stolpersteine einen wichtigen Beitrag dazu, sich bewusst zu machen, dass Rechtsextremismus kein Relikt der Vergangenheit darstellt. Auch heute noch werden Menschen wegen ihrer Herkunft, ihrer Hautfarbe, ihrem Glauben oder ihrer Lebensweise diskriminiert, ausgegrenzt, werden Opfer von körperlicher und seelischer Gewalt, fallen Mordanschlägen zum Opfer. Diesen Tendenzen entschieden entgegenzutreten, ist eine der wichtigsten Aufgaben unserer Gesellschaft. Stolpersteine leisten einen Beitrag dazu, Geschichte aufzuarbeiten, fordern dazu auf, es nicht bei dem „sich erinnern“ und dem „betroffen sein“ zu belassen, sondern für eine freie, tolerante, die Menschenrechte jederzeit achtende Gesellschaft einzutreten. 

Der Kampf gegen verfassungsfeindliche Gesinnungen und daraus resultierende Verbrechen ist aber nicht nur Aufgabe der Bundesanwaltschaft, des Verfassungsschutzes und der Polizei. Auch auf kommunalpolitischer Ebene, z.B. hier in dieser Stadtverordnetenversammlung, tragen wir als die gewählten Vertreter der Griesheimer Bürgerinnen und Bürger die Verantwortung, rechtsextremen Tendenzen entgegenzutreten. Appellieren möchte ich an dieser Stelle auch an jeden Einzelnen, im Alltag wachsam zu sein, Zivilcourage zu beweisen, wann immer man Zeuge von ungerechter Behandlung von Menschen wird.

Sich dessen bewusst trafen sich vor wenigen Wochen mehr als 20 Menschen zur Gründungsversammlung der Arbeitsgruppe „Stolpersteine“ des Griesheimer Museumsvereins. Nach intensiver Recherche über das Schicksal von Griesheimer  Bürgern jüdischen Glaubens hat sich die Gruppe zum Ziel gesetzt, diesen Menschen durch die Verlegung weiterer Stolpersteine in Griesheim zu gedenken, den Griesheimer Bürgern deren Namen ins Gedächtnis zu rufen, Namen wie Samuel Sternfels, Frieda Goldschmidt oder Joseph Mendel nicht in der Statistik verschwinden zu lassen.

Und nicht nur die Arbeitsgemeinschaft „Stolpersteine“ beschäftigt sich mit der Aufarbeitung der Griesheimer Geschichte zu Zeiten des Nationalsozialismus, auch an der Gerhart-Hauptmann-Schule wird dieses Thema schon seit vielen Jahren bearbeitet. Schüler haben Lebensgeschichten jüdischer Bürger recherchiert, Gespräche mit Zeitzeugen geführt und diese Erkenntnisse in beachtlicher Art und Weise in auf der Internetseite der Gerhart-Hauptmann-Schule veröffentlichten Texten festgehalten. Frau Bürgermeisterin Gabriele Winter unterstützt dieses Projekt „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ als Schirmherrin.
Nicht unerwähnt lassen möchte ich, dass Rechtsextremismus auch im Rahmen der Griesheimer Präventionswochen thematisiert wird, an der Gerhart-Hauptmann-Schule und seitens der Jugendförderung.

Mit diesem Antrag möchten wir uns dafür einsetzen, dass die Stadtverordnetenversammlung als höchstes politisches Gremium der Stadt Griesheim das Engagement des Museumsvereins und der Gerhart-Hauptmann-Schule würdigt, und den Magistrat bittet, die Arbeitsgemeinschaft bei der Recherche und Verifizierung von Daten, bei der Vermittlung wertvoller Kontakte sowie folgerichtig bei der praktischen Umsetzung des Vorhabens, weitere Stolpersteine zu verlegen, zu unterstützen.

Für diesen Antrag von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN stimmten alle Stadtverordneten in der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung am 27.06.2013.

Sehr geehrter Herr Stadtverordnetenvorsteher, sehr geehrte Damen und Herren,  Am 04. Mai 2010 wurden im Gedenken an Ludwig und  Otto Löb vor deren damaligem Wohn- und Geschäftshaus, dem heutigen Griesheimer Heimatmuseum, zwei Stolpersteine verlegt. Im Rahmen einer bewegenden Zeremonie mit Reden des damaligen Bürgermeisters Norbert Leber sowie des Kölner Künstlers Gunter Demnig, dem Initiator des Projekts "Stolpersteine", gedachten zahlreiche Menschen der Verwüstungen des Geschäftes der Familie Löb während der Novemberpogrome sowie der Schikanierung und Bedrohung der Familie. Ludwig Löb nahm sich, unter massivem Druck der Nationalsozialisten stehend, 1938 das Leben. Auch sein Sohn Otto wurde von den Nazis bedroht und zur Flucht in die USA gezwungen, wo er 1947 im Alter von 41 Jahren verstarb.    In den 1990er Jahren entwickelte Gunter Demnig das Projekt "Stolpersteine", mit denen er in Form von in das Pflaster von Gehwegen verlegten Gedenktafeln an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert. Stolpersteine erinnern aber nicht nur an das individuelle Schicksal der Menschen, die von den Nationalsozialisten gedemütigt, entrechtet, vertrieben, ihrer Würde beraubt, ermordet wurden. Geradezu zwangsläufig leisten Stolpersteine einen wichtigen Beitrag dazu, sich bewusst zu machen, dass Rechtsextremismus kein Relikt der Vergangenheit darstellt. Auch heute noch werden Menschen wegen ihrer Herkunft, ihrer Hautfarbe, ihrem Glauben oder ihrer Lebensweise diskriminiert, ausgegrenzt, werden Opfer von körperlicher und seelischer Gewalt, fallen Mordanschlägen zum Opfer. Diesen Tendenzen entschieden entgegenzutreten, ist eine der wichtigsten Aufgaben unserer Gesellschaft. Stolpersteine leisten einen Beitrag dazu, Geschichte aufzuarbeiten, fordern dazu auf, es nicht bei dem "sich erinnern" und dem "betroffen sein" zu belassen, sondern für eine freie, tolerante, die Menschenrechte jederzeit achtende Gesellschaft einzutreten.    Der Kampf gegen verfassungsfeindliche Gesinnungen und daraus resultierende Verbrechen ist aber nicht nur Aufgabe der Bundesanwaltschaft, des Verfassungsschutzes und der Polizei. Auch auf kommunalpolitischer Ebene, z.B. hier in dieser Stadtverordnetenversammlung, tragen wir als die gewählten Vertreter der Griesheimer Bürgerinnen und Bürger die Verantwortung, rechtsextremen Tendenzen entgegenzutreten. Appellieren möchte ich an dieser Stelle auch an jeden Einzelnen, im Alltag wachsam zu sein, Zivilcourage zu beweisen, wann immer man Zeuge von ungerechter Behandlung von Menschen wird.   Sich dessen bewusst trafen sich vor wenigen Wochen mehr als 20 Menschen zur Gründungsversammlung der Arbeitsgruppe "Stolpersteine" des Griesheimer Museumsvereins. Nach intensiver Recherche über das Schicksal von Griesheimer  Bürgern jüdischen Glaubens hat sich die Gruppe zum Ziel gesetzt, diesen Menschen durch die Verlegung weiterer Stolpersteine in Griesheim zu gedenken, den Griesheimer Bürgern deren Namen ins Gedächtnis zu rufen, Namen wie Samuel Sternfels, Frieda Goldschmidt oder Joseph Mendel nicht in der Statistik verschwinden zu lassen.   Und nicht nur die Arbeitsgemeinschaft "Stolpersteine" beschäftigt sich mit der Aufarbeitung der Griesheimer Geschichte zu Zeiten des Nationalsozialismus, auch an der Gerhart-Hauptmann-Schule wird dieses Thema schon seit vielen Jahren bearbeitet. Schüler haben Lebensgeschichten jüdischer Bürger recherchiert, Gespräche mit Zeitzeugen geführt und diese Erkenntnisse in beachtlicher Art und Weise in auf der Internetseite der Gerhart-Hauptmann-Schule veröffentlichten Texten festgehalten. Frau Bürgermeisterin Gabriele Winter unterstützt dieses Projekt "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" als Schirmherrin. Nicht unerwähnt lassen möchte ich, dass Rechtsextremismus auch im Rahmen der Griesheimer Präventionswochen thematisiert wird, an der Gerhart-Hauptmann-Schule und seitens der Jugendförderung.   Mit diesem Antrag möchten wir uns dafür einsetzen, dass die Stadtverordnetenversammlung als höchstes politisches Gremium der Stadt Griesheim das Engagement des Museumsvereins und der Gerhart-Hauptmann-Schule würdigt, und den Magistrat bittet, die Arbeitsgemeinschaft bei der Recherche und Verifizierung von Daten, bei der Vermittlung wertvoller Kontakte sowie folgerichtig bei der praktischen Umsetzung des Vorhabens, weitere Stolpersteine zu verlegen, zu unterstützen.

Verwandte Artikel