PM 21.03.2011


GRÜNE protestieren gegen Verzicht auf Schienenersatzverkehr

Für mindestens drei Monate wird der Westen Griesheims von der Straßenbahn abgehängt.

Ab dem 4.4.2011 soll die Straßenbahn in Griesheim zwischen Wagenhalle und der Endstation am Platz Bar-le-Duc für vier Monate ersatzlos eingestellt werden. Grund ist der Umbau der Endhaltestelle zu einer kombinierten Bus-Schiene-Endhaltestelle. Stadt und der zuständige Nahverkehrsverbund DADINA wollen zum Entsetzen der GRÜNEN für diesen Zeitraum keinen Schienenersatzverkehr auf dieser Strecke einrichten. Für die GRÜNEN bedeutet dies die Abkopplung der Bevölkerung im Westen Griesheims von einem getaktetem, attraktiven Nahverkehrsangebot. Die von Stadt und DADINA als „Alternative“ angeführten Busse aus dem Ried sind für die GRÜNEN kein Ersatz sondern ein Rückfall in die ÖPNV-Steinzeit. Diese Linien und Busse verkehren sehr viel seltener und fahren die Haltestellen „Platz-Bar-le-Duc“ und „Marktplatz“ überhaupt nicht an. „So wird der von uns und den ÖPNV-Nutzern immer begrüßte Umbau der Endhaltestelle zu einer Maßnahme gegen die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel“ kritisiert die Fraktionsvorsitzende der Griesheimer GRÜNEN Ramona Halbrock. In einem Schreiben vom 10. März an die Stadt und die Bürgermeisterin hat sie diese aufgefordert umgehend bei der DADINA die Einhaltung der vertraglichen Leistungen hinsichtlich Häufigkeit und Transportkapazität auch während der Umbauphase einzufordern.

 

Die Griesheimer GRÜNEN fordern die Einrichtung eines verlässlichen und getakteten Schienenersatzverkehres für die Zeit des Umbaus. Die GRÜNEN schlagen deshalb den Einsatz eines sog. MIDI-Busses im Pendelverkehr zwischen dem Platz Bar-le-Duc und der Wagenhalle, mit Zwischenhalt am Marktplatz vor. Die nur 8-10m langen MIDI-Busse sind kürzer und wendiger als Standardlinienbusse (13m) und dürften mit einer Fahrgastkapazität von ca. 50 Fahrgästen für einen zeitlich begrenzten Ersatzverkehr ausreichend sein. Diese Busse könnten auf Grund ihrer Wendigkeit auf einem Rundkurs auf der Wilhelm-Leuschner-Straße verkehren ohne Anwohner oder Nebenstraßen damit zu belasten. Die GRÜNEN plädieren für eine Linie Wagenhalle – Marktplatz – Horst-Schmidt-Halle – Marktplatz – Wagenhalle. Für diesen Umlauf, in einem 12min-Takt, ist ein Fahrzeug ausreichend. Dieser Ersatzverkehr wäre deshalb aus Sicht der GRÜNEN kostenneutral durch HEAG mobilo sicher zu stellen, als Ersatz für den verkürzten und damit kostengünstigeren Straßenbahnbetrieb.


Einen Verzicht auf einen entsprechenden Ersatzverkehr sehen die GRÜNEN in der Nähe eines Vertragsbruches gegenüber Monats- und Jahreskartenbesitzern aus dem Westen Griesheims. Diese haben ihre Monats- und Jahreskarten auf der Grundlage der veröffentlichten Fahrpläne gekauft, in denen trotz der lange bekannten Umbaumaßnahmen kein Hinweis auf zeitweise Streckenstilllegungen gegeben wurde. Damit würde jetzt nachträglich eine wichtige Vertragsgrundlage – der Fahrplan – faktisch entfallen.

Auch inhaltlich können die GRÜNEN dieses offensichtlich nur zwischen Stadtverwaltung und DADINA abgestimmte Verfahren nicht nachvollziehen. Schon heute ist der Westen Griesheims am schlechtesten von der Straßenbahn erschlossen, die Wege zur Haltestelle in diesem Teil der Stadt liegen mit teilweise über 700m über dem im Nahverkehrsplan als zulässig erachteten Maß. Jetzt sollen weitere 700m hinzukommen. Für die GRÜNEN wird damit offensichtlich, dass zwischen den Sonntagsreden vom „Vorrang für den ÖPNV und dem tatsächlichen Handeln auch bei Bürgermeisterin Winter und SPD noch himmelweite Unterschiede liegen“ so der GRÜNE Stadtverordnete Andreas Tengicki. Der Verweis auf das Anrufsammeltaxi als Alternative, mit einer Betriebszeit von Montag bis Freitag zwischen 7 und 18 Uhr, einer Voranmeldezeit von 30 Minuten und einem zusätzlichen Fahrpreis, zeugt von äußerster Weltfremdheit, so ÖPNV-Nutzer Werner Grimm.

Die GRÜNEN kritisieren auch die Vorgehensweise der Verwaltung. Die Umbauarbeiten sind von langer Hand geplant gewesen und wegen fehlender Finanzzuweisungen immer wieder verschoben worden. In dieser Zeit wurde jedoch im Stadtparlament nie eine Diskussion über einen Ersatzverkehr geführt oder ein Beschluss gefasst. Die Entscheidung der Stadt war Teil einer nichtöffentlichen Magistratssitzung. So wurde die parlamentarische Mitbestimmung und eine öffentliche Diskussion unterlaufen. Jetzt bleibt nur noch der Protest der Bürgerinnen und Bürger gegen diesen Schildbürgerstreich..

Die GRÜNEN haben am Samstag damit begonnen die betroffenen Fahrgäste mit Flugblättern vor Ort zu informieren. Die GRÜNEN fordern dazu auf Einsprüche per Postkarte, Brief oder Email an die Stadt Griesheim, (Umweltamt, Wilhelm-Leuschner-Straße 75, 64347 Griesheim, mobil@griesheim.de), die Bürgermeisterin Gabriele Winter (buergermeisterin@griesheim.de) oder die DADINA (Europaplatz 1, 64293Darmstadt, info@dadina.de) zu senden.

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