PM 13.03.2011

 

Was hat Griesheim mit Fukushima zu tun?

Havarie des japanischen Atomkraftwerkes war zentrales Thema beim Infostand der Griesheimer GRÜNEN

Auf Grund der aktuellen Ereignisse in Japan drehten sich die meisten Fragen der Besucher des Infostandes der Griesheimer GRÜNEN am vergangenen Samstag um das Thema Atomkraft und Energieversorgung. „Für die Menschen und die Umwelt in Asien hoffen wir, dass das Schlimmste verhindert werden kann, doch es wird wieder einmal deutlich, dass Atomkraft nicht sicher ist und nie sicher beherrschbar sein wird.“ so Ramona Halbrock Fraktionsvorsitzende der GRÜNEN in Griesheim.

Für die GRÜNEN in Griesheim drängen sich konkrete Verbindungen zwischen Fukushima und Biblis auf:

  • Beide Atomkraftwerke zählen mit 40 Jahren Laufzeit zu den ältesten ihres Landes (Inbetriebnahme Fukushima I 1970 Fukushima II – VI 1973-1979; Biblis A 1974; Biblis B 1976).
  • Beide Atomkraftwerke haben eine lange Liste von Störfällen hinter sich.
  • Beide Atomkraftwerke wären nach den jeweils gültigen Gesetzen ihres Landes heute nicht mehr genehmigungsfähig.

Was besonders beunruhigt ist die Tatsache, dass die Havarie die Folge einer Notabschaltung ist. Auch wenn in Zentraleuropa mit Erdbeben von solcher Wucht wie jetzt in Japan nicht zu rechnen ist, gibt es auch in Biblis genügend Szenarien für eine Notabschaltung. In Japan – wie in Deutschland – waren sich die Betreiber sicher, jede Art von Notabschaltung im Griff zu haben. Bei einem analogen Störfall in Biblis würde die Griesheimer Bevölkerung jetzt zu denen zählen, die innerhalb der 20 bzw. 25km Zone lebt und damit evakuiert werden müsste. Die Griesheimer GRÜNEN fordern deshalb die sofortige Stilllegung von Biblis A und B. Im ursprünglichen Atomkonsens war deren Stilllegung für 2008 bzw. 2010 vorgesehen.

Über die akute Bedrohung durch die Kraftwerksblöcke in Biblis hinaus, drehten sich viele Fragen um das Thema, was die Stadt Griesheim für einen klimaverträglichen Atomausstieg tun kann beziehungsweise aus GRÜNER Sicht tun muss.

Die GRÜNEN haben dazu in ihrem aktuellen Wahlprogramm konkrete Wege und Forderungen aufgenommen. Energieeinsparung ist der effektivste Weg auf Atomkraft verzichten zu können. Die städtischen Gebäude müssen Vorzeigeobjekte werden, die den Bürgern als Vorbild dienen. Der Dämmstandard aller kommunalen Liegenschaften, insbesondere der über 400 Sozialwohnungen, der altengerechten Wohnungen und des Haus Waldecks, ist systematisch auf ein hohes Niveau zu bringen. „Diese Investitionen finanzieren sich über geringere Ausgaben in der Zukunft“, unterstrich der GRÜNE Kreisdezernent Christel Fleischmann, der auch auf dem Griesheimer Marktplatz kurz vorbei schaute. Als zuständiger Dezernent für alle Bauten des Landkreises, hat er dies dem Kreistag, anhand der energetischen Sanierung der Kreisverwaltung in Kranichstein, eindrucksvoll dargelegt.

Auf dem Bild von links nach rechts: Kai Schütz (Kandidat zur Kommunalwahl), Andreas Tengicki (stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Griesheimer GRÜNEN), Christel Fleischmann (Kreisdezernent für Schule, Bauen und Umwelt)

Darüber hinaus stehen die GRÜNEN für das ehrgeizige Ziel, aus Griesheim eine Energie-Plus-Kommune zu machen. Dazu gehören die Nutzung von 100% Ökostrom aus eigener Produktion durch Wärme und Strom auf kommunalen Dächern und Grundstücken. Zusätzlich soll dieses Ziel durch die Einrichtung von Bürgersolarkraftwerken und Energiegenossenschaften in Zusammenarbeit von Griesheimer Bürgern, Gewerbetreibenden, Banken und der Stadt unterstützt werden.

Weil der Strom aus den städtischen Steckdosen für die zubereiteten Waffeln am Infostand, wie für alle weiteren Veranstaltungen noch nicht zu 100% aus regenerativen Quellen stammt, wird der GRÜNE Ortsverband die damit verbundenen CO2-Emissionen durch den Erwerb eines Klimazertifikates kompensieren (www.atmosfair.de), und hofft nach der Wahl am 27. März eine breite Unterstützung in der Stadtverordneten-versammlung für die ausschließliche Beschaffung von 100% Ökostrom durch die Stadt zu finden.

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